Donnerstag, 9. Juni 2011
Das alte Haus
Immer mehr Menschen verlernen das Sehen. Sie verlernen die Schönheit ihrer Welt zu sehen, die Gerüche bewusst wahrzunehmen und sich selbst hinzugeben. Sie haben sie nicht mehr - Gedanken über Dinge, die eigentlich so normal sind, dass man das Denken darüber einfach vergisst und somit ihre Schönheit. Aber eigentlich ist das ziemlich schade, denn wenn man viel denkt, wird man reicher an Erfahrungen und nimmt die Welt um sich herum viel deutlicher und sensibler wahr. Mir passiert es sehr oft, dass ich etwas sehe, von dem ich mir denke, dass es doch eines der schönsten Dinge dieser Welt sein muss, obwohl sich wahrscheinlich niemand um mich herum dafür interessiert. Das muss eine sehr traurige Existenz sein. Wie würde es wohl uns gehen, wenn wir wüssten, dass sich eigentlich niemand für uns interessiert? Dass wir so normal geworden sind, dass uns eigentlich jeder für selbstverständlich nimmt. Ich bin sicher, dass man hinter unseren verstaubten Fassaden oft nichts mehr vermutet. Nur kalten, grauen Backstein, womöglich noch halb zerfallen. Wie ein altes Haus, das leer und verlassen dasteht. Menschen, die an uns vorüber gehen und uns keines Blickes würdigen. Menschen, die einfach dem Fluss des Alltags folgen, die Augen zwar geöffnet und doch vollkommen blind. Tunnelartiges, stoisches Geradeausschauen, geblendet von Stress und Zeitdruck. Während wir also dastehen und die Menschen durch unsere blindgewordenen und staubigen Fenster hinaus beobachten, warten wir, dass uns jemand bemerkt. Tag für Tag werden wir enttäuscht, vergießen Tränen der Trauer, weil unser Schreien im ohrenbetäubenden Lärm des Alltags untergeht, abprallt, leise verhallt. Doch manchmal fragen wir uns: Was, wenn es jemandem gelänge, seine Blind- und Taubheit zu überwinden, der er sich doch selbst unterworfen hat? Was, wenn er das verlassene, verfallene Backsteinhaus aus dem Augenwinkel bemerken, er in der Masse stehen bleiben und es betrachten würde, während sich die Menge vor ihm spaltet, links und rechts an ihm vorbeifließt und hinter ihm zusammenläuft.
Ein kleiner Fleck von Aufmerksamkeit.
Was, wenn er auf das alte Haus zugehen und es sanft berühren würde? Was, wenn er bemerken würde, dass unter dem kühlen, schäbigen Backstein etwas im gleichen Takt pocht, wie ihn ihm selbst? Und wenn er ganz nah heran treten und durch die alten Fenster spähen würde - Was würde er sehen? Vielleicht den alten mottenzerfressenen, eingestaubten Ohrensessel, die Bilder, die mit gesprungenen Scheiben schief an der Wand hängen, die alten vergilbten Bücher auf dem Boden oder den umgefallenen Holzstuhl. Vielleicht würde er sich fragen, warum man das Haus nie leer geräumt hat oder weshalb es noch steht. Er würde mit seiner Vernunft wie gewohnt jede Ursache abtasten und doch keine Antwort finden. Aber ganz langsam, schleichend, würde er auch die Besonderheit des Ortes spüren, merken, dass etwas Unbeschreibliches in der Luft liegt. Eine geheimnisvolle Atmosphäre, die ihn überkommt und alle Vernunft verdrängt. Und plötzlich überkäme ihn das Verlangen tief einzuatmen, alles in sich aufzunehmen und das Prickeln auf seiner Haut zu spüren, das diese Erfahrung in ihm auslöst. Der kalte Stein unter seinen Fingerspitzen, die raue Oberfläche, längst vergessen, würde ihm wunderbar bewusst und alles daran käme ihm intensiv vor, neu, einzigartig. Die Magie des Hauses, so verlassen und verfallen, ließe ihn alles vergessen. Nur das Gefühl wäre wichtig, wäre richtig und würde ihn mit großem Glück erfüllen, selbst wenn er noch so verwundert wäre, weil es ihn so bewegt.
Doch er folgt seinen Terminen, der strömenden Masse, dem Alltag. Das alte Haus bemerkt er nicht. Er geht vorbei und wenn er es wahrnimmt, dann nur um zu schätzen, wie viel das Grundstück wert ist, auf dem es steht. Er hat verlernt zu sehen, vergessen loszulassen, sich hinzugeben und einfach nur zu sein. Ohne Analytik, ohne Vernunft, ohne Starrheit. Er, der Alltagsmensch.



Hallo Welt!
Herzlich wilkommen auf meinem nagelneuen Blog!

Eintrag Nummer 1

Blogs gibt es millionenfach im Internet - sagt man zumindest.
Ich kenne niemanden.
Ich kennen keinen, der einen Blog führt, aber trotzdem weiß ich, dass es da draußen unendliche viele Menschen gibt, die den gleichen Spaß daran haben, ihre Gedanken mit der Welt zu teilen, wie ich.

Mein Hobby ist das Schreiben. Ich schreibe wahnsinnig gerne über alle möglichen Dinge. In meinem Kopf schwirren täglich verwirrend viele Gedanken rum, die ich mir gerne näher anschauen, ordnen und aufschreiben würde, weil sie mich so sehr interessieren.
Ich liebe Diskussionen, Meinungsaustausch und neue Erkenntnisse.

Deshalb dieser Blog.
Er soll mir helfen, mich zu strukturieren; Gedanken die vielleicht gar nicht mal so unnütz sind zugänglich zu machen - für euch - um anschließend mit euch darüber zu diskutieren ... dem Austausch Raum geben.

Also, wenn jemand tatsächlich Interesse an meinen Ideen findet, wenn ihr Spaß an meinen Beiträgen habt, dann freue ich mich wahnsinnig euch hier begrüßen zu dürfen!

Lasst euch ordentlich aus, lest euch quer durch und sagt mir, was ihr darüber denkt. Konstruktive Kritik ist immer und ausdrücklich erwünscht!

Viele Grüße,
Anna